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ISBN/EAN: 978-3-86122-746-5
Einband: kartoniertes Buch
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Originaltitel:
Will I cry tomorrow?
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
192 S.
Format (T/L/B):
1.5 x 18 x 10.9 cm
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Werde ich morgen weinen?

Heil werden nach einer Abtreibung

9,95 €

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Beschreibung

Susan hat gerade mit Erfolg ihr Studium abgeschlossen, als sie feststellt, dass sie schwanger ist. Doch ihre Ehe ist längst ein einziger Scherbenhaufen und das Kind ist nicht von ihrem Mann Abtreibung scheint der einzige Ausweg zu sein. Und so geht sie diesen Weg - ohne zu ahnen, welches Leid ihr bevorsteht. Als selbst Betroffene gibt Dr. Susan M. Stanford in diesem authentischen, ehrlichen Bericht wertvolle Hilfen für alle, die seelsorgerlich helfen wollen. Und sie zeigt den Frauen, die eine Abtreibung durchlitten haben, einen Weg zur Heilung, der tiefer führt als alles andere. Mit aktuellen Adressen von Beratungsstellen.

Leseprobe

1. Die Entscheidung Als ich aufwachte, umfing mich der frische Geruch eines morgendlichen Sommerregens, der gleichmäßig gegen die Scheibe meines leicht geöffneten Schlafzimmerfensters trommelte. Da es noch still in der Wohnung war, nahm ich an, dass Laura, mit der ich die Wohnung teilte, noch schlief. Obwohl ich noch gar nicht richtig wach war, merkte ich doch, dass die Bettdecke in meinen zusammengeballten Fäusten zerknüllt war. Mein ganzer Körper war verspannt, und ich fühlte mich so erschöpft, als ob ich keine vollen acht Stunden geschlafen hätte. Ich atmete tief durch, um die Verspannungen etwas zu lösen. In dem Augenblick, in dem ich richtig wach wurde, wusste ich, was für ein Tag heute war: Dienstag, 1. Juli. Um neun Uhr hatte ich meinen Termin in der Klinik. Während ich mich auf einem Ellbogen aufrichtete, dachte ich: Ich kann immer noch absagen. Und dann: Nein, ich muss es hinter mich bringen. Ich schlug die Decke zurück und setzte meine Füße mit einem dumpfen Geräusch auf den Boden. Taub. Empfindungslos. Seitdem der Termin feststand, hatte ich mir keinerlei Gefühle mehr erlaubt. Diese Empfindungslosigkeit ist gut, Susan, sagte ich mir, während ich nach meinem rosafarbenen Morgenrock griff. Nur so kommst du da durch. Ich stand auf und ging ins Badezimmer, um mich zu duschen. Frühstücken stand nicht zur Diskussion. Ich hörte, wie draußen vor der Wohnung ein Wagen angelassen wurde - wahrscheinlich einer meiner Nachbarn, der versuchte, den morgendlichen Berufsverkehr in die Stadt hinein zu vermeiden. Ich schaute durch die Regenschlieren des Badezimmerfensters nach draußen. Warum musste es an diesem Tag auch noch trübe und kalt sein? Der Himmel sah wie harter, nasser, grauer Beton aus, und ich wusste, dass es wieder einmal einer dieser Tage war, an dem es von morgens bis abends regnet. Normalerweise hätte ich hastig meine Unterlagen zusammengesucht, schnell etwas Make-up aufgetragen und wäre dann zu meiner morgendlichen Psychologievorlesung geeilt, die ich an der nahe gelegenen Universität abhielt. Dort hatte ich im Frühjahr jenes Jahres, 1975, promoviert und das Glück gehabt, sofort eine Stelle an der Universität zu bekommen. Von ,Glück würde Frank allerdings nicht sprechen, sagte ich mir, als ich aus der Dusche stieg. Er hatte die meisten Probleme in unserer Ehe auf meine Promotion geschoben, auf meinen Versuch, eine sinnvolle berufliche Laufbahn einzuschlagen, auf diesen ganzen Emanzipationskram - auf alles andere, nur nicht auf die wirklichen Risse, die unsere Ehe mürbe gemacht hatten. Noch vor wenigen Monaten war ich fest davon überzeugt gewesen, dass es nur eine einzige Möglichkeit gab, ihn dazu zu bringen, mir zuzuhören, meine Bitten anzuhören - indem ich ihn damit schockierte, dass ich zeitweilig auszog. Wenn es nur geklappt hätte! Wenn das nur die ganze Wahrheit wäre. Während ich mich anzog und versuchte, meinem schulterlangen, dunklen Haar einen Anflug von Ordentlichkeit zu verleihen, musste ich mir ehrlicherweise gestehen, dass meine Entscheidung nicht klug gewesen war. Ich starrte auf die bleiche Haut meines Spiegelbildes, die dem hellen, zarten Teint meiner englischen Großmutter so ähnlich war und durch die meine dunklen, müden Augen eingefallen wirkten. Ich war emotional zu verletzlich geworden und hatte viel zu viel Zeit damit vergeudet, in Frank den hartherzigen, schwarzen Ritter zu sehen. Und doch - wie sehr liebte ich Frank immer noch, und wie sehr wünschte ich, dass unsere Ehe wieder in Ordnung käme! Wenn das stimmt, warum hast du dann -? Ich schloss die Augen und hielt mich am Waschbecken fest. Ich war kaum in der Lage, mir selbst ins Gesicht zu sehen, geschweige denn, diesem Gedanken standzuhalten. Ich war aus guter Familie, betrachtete mich selbst als intelligent und wohlerzogen. Ich kämpfte meine tiefe Selbstverachtung nieder. Ich verließ das Badezimmer, nahm meinen Regenschirm aus dem Flurschrank und trat dann hinaus in den gleichmäßig fallenden Regen. Während ich ins Auto stieg, setzte ich meinen inneren Dialog fort, in dem ich so kühl und sachlich sprach, wie es sich für die professionelle Beraterin, die ausgebildete Psychologiedozentin, die ich inzwischen geworden war, gehörte. Doch der Autoschlüssel zitterte so sehr in meiner Hand, dass ich ihn kaum ins Zündschloss bekam. Trotzdem schaffte ich es irgendwie, den Wagen anzulassen, atmete noch ein paar Mal tief durch und fuhr vom Parkplatz. Beim Fahren setzte ich meine innere Moralpredigt fort. Ich hielt mir vor, dass ich dieses Chaos meinen eigenen Gefühlen zu verdanken hatte und dass ich nun versuchen musste, der Stimme der Vernunft zu folgen, wenn ich wieder aus dem Schlamassel heraus wollte. Ungeachtet meiner religiösen Erziehung, ungeachtet meiner weiblichen Instinkte schien es nur einen Ausweg zu geben. Und dieser besagte, dass ich den Eingriff hinter mich bringen musste, für den ich mich angemeldet hatte. Wie ich es schaffte, durch die regennassen Straßen zu fahren, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich das Lenkrad fest umklammert hielt und versuchte, den Aufruhr meiner Gefühle im Zaume zu halten. Es war mein Verstand, der meine Gefühle in der Gewalt hatte: Nicht nachgeben. Mein eigener Verstand war zu meinem Feind geworden, der mich anklagte und mir vorhielt, was für eine Närrin ich gewesen war. Nachts lag ich wach und stellte mir die schockierten Gesichter meiner Eltern, meiner Brüder und der Freunde meiner Familie vor - und natürlich Franks Gesicht. Ich wagte nicht, daran zu denken, wie sehr er außer sich sein würde, wenn er erfahren würde, was vorgefallen war. Deshalb vermied ich es lieber, überhaupt darüber nachzudenken. Im Grunde hatte ich vom ersten Moment an versucht, mein Problem ganz zu ignorieren. Während ich vor einer roten Ampel hielt, dachte ich noch einmal an den Morgen, an dem ich festgestellt hatte, dass meine Brüste schmerzten und leicht vergrößert waren. Ich hatte immer viel Sport getrieben und kannte meinen Körper gut. Aber diese Anzeichen konnte ich einfach nicht akzeptieren - das heißt, jedenfalls so lange nicht, bis die Periode ausblieb. Das war noch nie passiert! Plötzlich befand ich mich in einer völlig verwickelten Lage: Frank und ich hatten uns entfremdet, hatten monatelang nicht zusammengelebt, aber ich wollte dennoch eine Versöhnung. Wie sollte ich diese jetzt herbeiführen? Wie konnte ich zu ihm hingehen und so ganz nebenbei erwähnen, dass ich seit einem Monat schwanger war? Meine Gedanken verweilten nur flüchtig bei diesem letzten Wort. Das Ding in mir war höchstens ein paar Wochen alt. Ich war katholisch erzogen worden - wie ich mich beschämt erinnerte - und konnte mir dennoch das Ding nicht im Entferntesten als lebendes Wesen vorstellen. In meinem sachlichsten Beratertonfall hatte ich mir daher befohlen, nicht emotional zu werden, eine Klinik anzurufen und die Ansammlung von Zellen entfernen zu lassen. Ich bog bei der nächsten Ampel links ab und fuhr eine von Bäumen gesäumte Auffahrt hinauf zum Parkplatz der Klinik. Wenn dies ein normaler chirurgischer Eingriff ist - so, als ließe ich mir eine Zyste entfernen -, warum habe ich dann der Sekretärin am Telefon einen falschen Namen angegeben? Von meiner beruflichen Warte aus ermutigte ich meine Klienten immer dazu, selbst die Verantwortung für ihre Handlungen zu übernehmen. Trotzdem war ich nicht fähig gewesen, den Termin auf meinen eigenen Namen, Dr. Susan Stanford, auszumachen. Und warum habe ich so eine panische Angst empfunden, als mir die Sekretärin sagte, dass ich zehn Tage warten müsse, weil vorher kein Termin mehr frei ist? Diese Stiche schmerzten. Eine Zeit lang musste ich das Denken noch ausschalten - bis alles vorüber war. Ich stellte den Motor ab und starrte auf den Backsteinbau vor mir. Er war modern, sauber, einladend und groß. Ich würde dort nicht auffallen - nur ein Gesicht unter vielen sein. Meine Handflächen waren feucht, und ich kämpfte gegen das Gefühl der Schwäche an, das von meinen Armen und Beinen Besitz ergriff. Da der Regen nachgelassen hatt...